Ferien beim Arbeitsamt: ein Symptom der falschen Perspektive aktueller Bildungspolitik

Jedes Jahr wiederholt sich pünktlich zum Beginn der Ferienzeit ein unrühmliches Szenario: Tausende Lehrkräfte mit befristeten Verträgen treten, statt ihres Jahresurlaubs, den Weg zum Arbeitsamt an. Der Grund: Ihr Vertrag endet nicht mit dem Schul- bzw. Arbeitsjahr, sondern bereits zum Ferienanfang. Es handelt sich hierbei um eine Sparmaßnahme der Länder auf Kosten der Lehrkräfte. Trauriger Spitzenreiter dieser Praxis ist Baden-Württemberg, gefolgt von Bayern und Niedersachsen (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2017, S. 8).


Ist das gerechtfertigt?


Befürworter könnten nun einwenden, dass eine solche Praxis in der „freien Wirtschaft“ nicht unüblich sei. Schließlich unterrichten Lehrkräfte in den Ferien doch auch nicht. Warum also sollte man sie für diese Zeit trotzdem bezahlen?

Der Grund findet sich, sobald man die praktische Tätigkeit von Lehrkräften näher betrachtet. So leisten Lehrerinnen und Lehrer abhängig von Schulform, unterrichteten Fächern und Bundesland zwischen 23-31 Schulstunden pro Woche (vgl. KMK 2017, S. 1) . Diese Stunden müssen jedoch auch vorbereitet werden. Hinzu kommen Elternarbeit, Schülergespräche, Konferenzen, die Organisation von überunterrichtlichen Lehrerengagements wie Projektgruppen und Klassenausflügen, die Kontrolle von Arbeiten und stetige Fortbildungen (vgl. Hardwig/Mußmann 2018, S. 80-90). Die wöchentliche Arbeitszeit kann so schnell auf 60-70 Stunden ansteigen. In den Ferien sind diese Tätigkeiten häufig nur teilweise ausgesetzt. Schulferien sind daher zum einen Teil Ausgleichszeit für Überstunden und zum anderen Teil normale Arbeitszeit. Nicht vergessen werden sollte zudem, dass auch Lehrer einen Urlaubsanspruch von 30 Tagen pro Jahr besitzen, der vollständig fremdbestimmt ist. Spricht man nun befristeten Lehrkräften die Sommerferien ab, enthält man ihnen den Ausgleich für Mehrarbeit vor und lässt etwaige Vorbereitungsarbeiten für das nächste Schuljahr ebenfalls unbezahlt.


Nur ein Bruchteil?


Stichhaltiger hingegen ist der Einwand, dass die Anzahl betroffener Lehrkräfte sehr gering ist. Der überwiegende Teil der Lehrerschaft ist entweder verbeamtet oder in relativ stabiler Beschäftigung als Angestellte des öffentlichen Dienstes eingestellt. So stellen die rund 5.000 Lehrkräfte auch nur einen Bruchteil der circa 800.000 Beschäftigten dar (vgl. Statistisches Bundesamt 2018). Zudem lassen sich die Befristungen häufig auf rechtlicher Ebene oder mit Ortswünschen erklären.

Doch neben der formalen Ungleichbehandlung zeigt die Ausgestaltung solcher Verträge ebenfalls eine fehlgeleitete Perspektive der Länder auf die Lehrenden. Das Verhalten ist symptomatisch dafür, dass Lehrerinnen und Lehrer viel zu häufig als einfacher Kostenfaktor im Landeshaushalt begriffen werden. Ein Kostenfaktor, den es möglichst zu „optimieren“ gilt, sei es durch die Erhöhung des Stundendeputats, große Klassen, der Nichtanerkennung von Mehrarbeit oder dem Einsatz von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst als reguläre Lehrkräfte.


Lehrkräfte sind keine Maschinen


Der Lehrberuf ist aber nicht nur eine mechanische Ableistung von Stunden. Die Schule soll Menschen für Bildung begeistern, zentrale Kulturtechniken und Wissensbestände vermitteln und allgemein zu einem erfolgreichen Leben befähigen. Entsprechend anspruchsvoll und vielseitig sind die Anforderungen an Lehrkräfte. Lehrerinnen und Lehrer sind Experten und Wissensvermittler, Erzieher und Berater, Organisatoren und Führungskräfte sowie Forscher und Innovatoren. Der Lehrberuf erfordert dabei neben der fachlichen Kompetenz ebenso soziale Fähigkeiten, Kreativität, Neugier und Leidenschaft für den Beruf. Die meisten Lehrenden werden diesen Ansprüchen auch gerecht, häufig jedoch zu Lasten ihrer Gesundheit. Denn immer höhere Belastungen führen zu erhöhtem Stress, der nicht nur die Gewährleistung von qualitativ hochwertigem Unterricht gefährdet, sondern auch zu erschreckend hohen Raten psychischer Erkrankungen und krankheitsbedingter Frühpensionierungen führt (vgl. DAK und UK NRW 2012, S. 58-62).


Deswegen Humanismus in der Bildung!


Die Partei der Humanisten sieht in der Bildung den Schlüssel für ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Leben. Ebenso sehen wir die besonderen Anforderungen an Lehrkräfte und deren Rolle im Bildungsprozess. Wir wollen den Bereich der Bildung daher grundsätzlich aufwerten. Im Mittelpunkt soll nicht mehr die kurzfristige und -sichtige Optimierung des Haushalts stehen, sondern die langfristige Qualität der Lehre.


Quellen:

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