Knapp 90 Jahre ist es her, dass Alexander Fleming einen Meilenstein in der Bekämpfung von Infektionen gesetzt hat. Er entdeckte durch Zufall den Biowirkstoff Penicillin, das Bakterien im Nu abtötet und anderen Lebewesen kaum schadet.

Seitdem sind unzählige Antibiotika, neue Wirkmechanismen entdeckt worden. Doch auch die Bakterien haben sich angepasst. Immer weniger Antibiotika wirken gegen sogenannte multiresistente Bakterien. Die, auch als „resistente Krankenhauserreger“ bekannten Bakterien, stellen eine reale Gefahr für den Mensch dar. Nur noch wenige Reserveantibiotika existieren. Wegen übermäßigen, teils unnötigen Antibiotikaeinsatzes sind Neuentwicklungen häufig schnell unwirksam.

Und: Über 200 Jahre ist es her, dass Hahnemann die Homöopathie erfunden hat. Die Idee, Gleiches mit Gleichem zu heilen und den Wirkstoff dazu bis zur Unkenntlichkeit zu verdünnen, ist ein Meilenstein im Glauben an Übernatürliches.

Seitdem sind mehr als 300 Studien und über 1000 Experimente dazu gemacht worden. Aber keines konnte die Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus belegen.

Die bayerische Politik versucht nun, das eine Problem mit einem noch viel größeren zu lösen:

Die Fraktionen der bayerischen „Freien Wähler“, der CSU und Teile der Grünen fordern eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes und denken über den Einsatz von wirkstofffreiem Zucker bei schwerkranken Patienten nach.

Dieser Antrag stützt sich auf eine Pilotstudie, die nicht das untersucht, was sie vorgibt. Denn weder werden Antibiotika mit Homöopathie verglichen noch zeigen sich statistisch signifikante Ergebnisse. Außerdem beziehen sich fachlich falsche Aussagen des Antrags auf Veröffentlichungen von Prof. Dr. med. Michael Frass. Der Professor darf seine Homöopathie-Vorlesungen seit 2018 nicht mehr halten, weil seine Universität sich von „unwissenschaftlichen Verfahren und Scharlatanerie klar distanziert“.

„Globuli bei Infektionskrankheiten zu empfehlen, ist unverantwortlich. Entweder sind sie überflüssig oder sie verzögern oder verhindern eine wirksame Behandlung“, sagte Norbert Schmacke vom Institut für Public Health und Pflegeforschung Universität Bremen über den Antrag der bayerischen Politiker. Seiner Meinung nach werden aber auch in zu vielen Fällen Antibiotika verschrieben.

Eine optimale Lösung gegen die multiresistenten Erreger gibt es noch nicht. Doch es gibt viele interessante Ansätze. Zum Beispiel setzen manche Forschungsgruppen auf Bakteriophagen. Diese Viren können ausschließlich Bakterien infizieren und diese abtöten. Die Politik könnte also viel mehr in unsere Universitäten und Forscher investieren, als veraltete und völlig wirkungslose Behandlungsmethoden aus dem 18. Jahrhundert vorzuschlagen. 

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