Ist Bio besser?

Immer wieder gehen Menschen auf die Straße, um gegen die Agrarindustrie zu demonstrieren. Konventionell ist schlecht, Bio ist gut – so die Message und Wahrnehmung in der Bevölkerung. Auch die Bundesregierung hat sich das mittelfristige Ziel gesetzt, 20% der landwirtschaftlich genutzten Fläche mit ökologischem Landbau zu bewirtschaften. Bündnisse wie “Wir haben es satt!” fordern ein Ende der Subventionierung konventionellen Landbaus. Doch ist das wirklich sinnvoll? Ist Bio besser?

Grundsätzlich ist klar: Wir wollen und brauchen eine Landwirtschaft, die die Menschen ernähren kann, möglichst klimafreundlich ist und die Umwelt schützt. Schaut man sich die wissenschaftliche Studienlage an, scheint Bio allerdings nicht unbedingt besser zu sein.
Eine neue vergleichsstudie hat ergeben, dass die im kleinen Maßstab auf Versuchsfeldern durchgeführten Untersuchungen zum Vergleich von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft nicht aussagekräftig und auf großflächige Alltagsproduktion angewendet werden kann [1]. Tatsächlich sind die Erträge in der ökologischen Landwirtschaft im Schnitt 51% geringer als in der konventionellen Produktion [2]. Das wiederum bedeutet, es wird mehr Land benötigt,um die gleiche Mengen an Nahrung zu produzieren. Das führt zu wesentlich größerem indirekten Ausstoß von Treibhausgasen und ist damit schlecht für Klima und Umwelt [3, 4, 5]. Ein weiterer Aspekt ist die Artenvielfalt: Nur bei der reinen Betrachtung des Verlusts von Artenvielfalt in Bezug auf die genutzte Fläche schneidet der ökologische Landbau besser ab. Nimmt man aber die produzierte Nahrungsmenge als Bezugsgröße, geht bei konventioneller Landwirtschaft deutlicher weniger Artenvielfalt pro Tonne verloren als bei ökologischem Landbau [2].

Doch ist Bio nicht gesünder als konventionelle Nahrung? Vermutlich ist dies für die Fleischproduktion korrekt. Hier punktet Bio auch in Bezug auf die Tierhaltung, welche allgemein als artgerechter angesehen wird. Doch bei Obst und Gemüse ist die Lage nicht so eindeutig: Zwar wurden höhere Konzentrationen von Antioxidantien und weniger Pestizidrückstände gefunden [6, 7], doch gibt es bisher keine eindeutigen Belege, dass Antioxidantien die Gesundheit fördern [8, 9] und sogar teilweise widersprüchliche Befunde, ob das Krebsrisiko dadurch verringert [10] oder vergrößert wird [11]. Wer nun aber davon ausgeht, dass im ökologischen Landbau gar keine Pestizide eingesetzt werden, der irrt sich. So wird bspw. besonders beim Anbau von Bio-Äpfeln häufig auf das erlaubte Kupfersulfat als „natürliches“ Pestizid zurückgegriffen [12], das jedoch für den Menschen um einiges schädlicher ist als andere, „konventionelle“ Pestizide [13]. Aber keine Sorge, insgesamt wird das Risiko der auf den Lebensmitteln vorhandenen Pestizidrückständen als so gering eingeschätzt, dass es in etwa mit der Schädlichkeit von einem Glas Wein alle drei Monate vergleichbar ist [14]. Und grundsätzlich gilt, dass in der EU Lebensmittel sehr streng kontrolliert werden und das Risiko für Verbraucher als gering gilt [15, 16].

Ökologischer Landbau hat Vorteile, aber schneidet auch in einigen Bereichen schlechter ab als konventionelle Landwirtschaft [17, 18]. Ob ein politisches Ziel wie die ökologische Bewirtschaftung von 20% der landwirtschaftlichen Fläche also wirklich sinnvoll ist, muss hinterfragt werden. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass derzeit ökologisch hergestellte Produkte im Schnitt teurer als konventionelle und damit als Luxusprodukt nur einem Teil der Gesellschaft zugänglich sind. Doch die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt stetig [19] und so wächst auch die weltweite Anbaufläche [20]. Wenn Bio allerdings aus anderen Ländern importiert werden muss, dann steigt auch der ökologische Fußabdruck – mit negativen Auswirkungen für Klima und Umwelt [21].

Die Frage, die gestellt werden sollte, ist also nicht unbedingt „bio oder konventionell?“, sondern viel mehr, wie wir Landwirtschaft bestmöglich an den Standort anpassen können, um umweltfreundlich und produktiv zugleich zu sein [22].

Für uns bedeutet das: Wir müssen an der Modernisierung der Landwirtschaft arbeiten. Das heißt, ökologischen Landbau, integrative Landwirtschaft und konventionelle Methoden weiter zu entwickeln, zu analysieren und zu optimieren. Das heißt aber auch, Technologien und Methoden, die uns zur Verfügung stehen, zu nutzen. Darunter fällt auch und vor allem die Gentechnik, mit der Erträge gesteigert und der Pestizideinsatz reduziert werden können [23].

Denken wir ohne Tabus und orientieren wir uns an der Wissenschaft; das bedeutet für uns faktenbasierte Politik.

Quellenangaben:

[1] https://www.spektrum.de/news/ertraege-der-biolandwirtschaft-ueberschaetzt/1435533

[2] https://www.iva.de/sites/default/files/pdfs/studie_pflanzenschutz_in_deutschland_und_biodiversitaet_hffa_2016.pdf

[3] https://www.nature.com/articles/s41586-018-0757-z

[4] http://www.mynewsdesk.com/uk/chalmers/pressreleases/organic-food-worse-for-the-climate-2813280

[5] https://www.spektrum.de/news/ist-biolandbau-schlecht-fuers-klima/1614006

[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24968103

[7] https://www.omicsonline.org/open-access/organic-food-and-health-a-systematic-review-2161-0711-1000532.php?aid=90187

[8] https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/205797

[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29661838

[10] http://rsob.royalsocietypublishing.org/content/3/1/120144

[11] http://stm.sciencemag.org/content/6/221/221ra15.short

[12] http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/BRIE/2015/557009/EPRS_BRI(2015)557009_EN.pdf

[13] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5658984/

[14] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0278691518300437

[15] https://www.efsa.europa.eu/de/press/news/170411

[16] https://www.ams.usda.gov/datasets/pdp/pdpdata

[17] https://ourworldindata.org/is-organic-agriculture-better-for-the-environment

[18] https://geneticliteracyproject.org/2016/07/25/organic-vs-conventional-farming-lower-environmental-impact/

[19] https://www.boelw.de/themen/zahlendatenfakten/zdf-2018/umsatzentwicklung-bei-bio-lebensmitteln-2017/

[20] https://www.weltagrarbericht.de/aktuelles/nachrichten/news/en/33026.html

[21] http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/aa6cd5/meta

[22] https://biooekonomie.de/nachrichten/oekolandbau-allein-reicht-nicht-aus

[23] https://geneticliteracyproject.org/2018/03/15/disease-resistant-gmo-crops-can-reduce-pesticide-use-if-environmental-activists-do-not-block-them/

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