Selbstbestimmter Fair-Deal-Sex

Pilot, Bäcker, Erzieher, Polizist, Sexarbeiter. Einer dieser Berufe ist in besonderem Maße gesellschaftlich stigmatisiert und arbeitsrechtlich benachteiligt. Das wollen wir ändern.

Wir treten für ein liberales Deutschland ein, in dem Menschen selbst über ihren Körper bestimmen können. Wir fordern eine Gleichstellung von Sexarbeit mit allen anderen Berufen. Es ist es ein Job wie jeder andere. Für geleistete Arbeit erhält man ein Dienstleistungs-Honorar. Regulierungen in dieser Branche sind sehr wichtig, sollten aber stets den Schutz der Sexarbeiter im Fokus haben. Sie sollen ihren Job frei von gesellschaftlicher Ächtung oder staatlicher Bevormundung ausüben können.

Zwangsberatungen, wie sie seit der letzten Gesetzesänderung Mitte 2017 vorgesehen sind, beschneiden das Selbstbestimmungsrecht der Sexarbeiter. Das Beratungsangebot sollte erweitert werden, jedoch auf Freiwilligkeit beruhen. Die Prostituierten in Zwangssituationen werden dadurch nicht erreicht, während die freiwilligen Sexarbeiter bevormundet werden. [1].

Sehr wichtig ist darüber hinaus die gewahrte Anonymität, die bei der aktuellen Vorgehensweise verletzt wird. Sexarbeiter müssen mittlerweile ein Dokument mit Lichtbild mitführen, das sie als Prostituierte ausweist. Bei Verlust droht somit eine Identifikation, selbst wenn der Name nur ein Pseudonym ist.

Dies senkt die Akzeptanz des Angebotes seitens der Frauen und Männer, die darauf eigentlich angewiesen wären. Dieser Ausweis muss vollständig anonymisiert werden.

Viele Kommunen erschweren die Arbeit der Sexarbeiter, indem sie Sperrzonen definieren, in denen keine Prostitution betrieben werden darf. Darunter fällt sogar die Wohnungsprostitution, wodurch die Betroffenen diese vergleichsweise angenehmere Arbeitsumgebung aufgeben und sich Bordellen anschließen oder auf der Straße arbeiten müssen.

Der gravierendste Aspekt ist jedoch das Arbeitsverbot für Prostituierte aus EU-Drittländern. Dies führt dazu, dass sich ausländische Sexarbeiter komplett in den Untergrund begeben, um nicht aufzufliegen und ihrer Lebensgrundlage beraubt zu werden. Sie werden regelrecht in den Untergrund gezwungen. Somit sind sie skrupellosen Zuhältern ausgesetzt und habe keine Handhabe gegen unerwünsche Sexhandlungen und Missbrauch seitens der Freier. Diese Gruppe wird daher niemals von den Beratungsgesprächen oder Gesundheitsuntersuchungen Gebrauch machen. Selbst das Vertrauen in die Sexarbeitervereinigungen ist gesunken, da nun die Weitergabe von Daten befürchtet wird. Die Illegalität schützt somit die Täter, aber nicht die Opfer. Eine Green Card könnte an dieser Stelle eine Lösung sein.[2]

Abschließend möchten wir uns gerne den Worten von Undine de Rivière anschließen:
“Wenn ein Mensch, der sich für einen beliebigen Arbeitsplatz bewirbt, ohne Bedenken in seinem Lebenslauf angeben kann, zuvor als Sexarbeiter_in freiberuflich oder angestellt tätig gewesen zu sein, halte ich unser Ziel für erreicht.”[3]

 

[1]

https://www.deutschlandfunk.de/marcus-weinberg-vs-fabienne-freymadl.2927.de.html?dram:article_id=438108

[2]

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/frankfurter-prostituierten-vereinigung-fordert-spezielle-arbeitserlaubnis-fuer-auslaenderinnen/142668.html

[3]

https://magazin.hiv/2018/06/25/sexarbeit-als-beruf/

Weiterführende Informationen:

https://www.ted.com/talks/juno_mac_the_laws_that_sex_workers_really_want

https://www.voice4sexworkers.com/umfrage-prostitution-in-deutschland/

https://magazin-forum.de/de/node/10056

https://www.zeit.de/arbeit/2017-11/prostitution-arbeit-sexarbeit-gesellschaft/

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article112273588/Prostituierte-ein-ganz-normaler-Beruf.html

https://www.shz.de/regionales/hamburg/verband-fordert-mehr-anerkennung-fuer-sexarbeit-id6726821.html

1 Comment

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  1. […] Auf ihrer Agenda positionieren sie sich klar für eine selbstbestimmte Sexarbeit (siehe hier). U.a. heißt […]

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