Karfreitag, Jesus und der Humanismus. Ein Kommentar

Am Karfreitag feiern die christlichen Kirchen den Foltertod des Mensch-Gottes Jesus zur Zeit des jüdischen Pessach-Festes in Jerusalem. Das Leiden und Sterben Jesu, wie es in den Evangelien geschildert wird, ist Kern der christlichen Glaubenslehre, das Sühneopfer am Kreuz die unerlässliche Bedingung, damit Menschen im Jenseits Vergebung finden können. Ohne Kreuzestod keine Erlösung.

Das christliche Menschenbild, das in unserer modernen Gesellschaft häufig floskelhaft verwendet und beschworen wird, beruht auf einer Vorstellung, nach der der Mensch zunächst einmal vor allem eines ist: schuldig. Diese generelle Schuldhaftigkeit, im Konzept der Erbsünde versinnbildlicht, verdammt den Menschen zu einem Tod im Zustand des Getrenntseins von Gott, also einem Dasein in der Hölle. Der Mensch an sich ist zu sündhaft und unvollkommen, um mit Gott eins zu sein – die Trennung kann nur durch das Opfer Jesu überwunden werden.

Die logischen und moralischen Widersprüche, die diese Theorie aufwirft, beschäftigen die christlichen Kirchen wie auch ihre Kritiker seit Jahrhunderten. Fragt man moderne Gläubige nach dem „christlichen Weltbild“, bekommt man allerdings meist andere Dinge zu hören – die Interpretation dessen, was christlich ist, konzentriert sich hier üblicherweise auf eine Ansammlung positiver Eigenschaften, die dem Leben und Wirken Jesu zugeschrieben werden, von Nächstenliebe über die Akzeptanz menschlicher Vielfalt hin zu einer Vorstellung von Gerechtigkeit, die auf Vergebung und Läuterung setzt statt auf Strafe. Doch unabhängig davon, wer Jesus tatsächlich war und wie er gewirkt hat, sind diese ihm zugeschriebenen Tugenden ihrem Wesen nach vor allem zutiefst humanistisch.

Als Humanisten bekennen wir uns zu einem Menschenbild, das den Menschen nicht für seine natürlichen Eigenschaften bestraft, sondern sie als Möglichkeiten begreift. Die Fähigkeit zur Empathie und höheren Vernunft ist in uns allen angelegt. Es ist an uns, sie zu fördern, indem wir durch Aufklärung und Bildung alle Menschen mit dem nötigen Rüstzeug ausstatten, um ihr Potenzial nutzen zu können. Wenn wir uns bei unseren Entscheidungen von humanistischen Werten leiten lassen, brauchen wir keine Religion, die uns durch die Angst vor der Verdammnis im Jenseits an ethisches Verhalten gemahnt. Wir brauchen keinen gequälten Jesus, der uns vom Kreuz herab zum Gutsein anhält – wir finden dieses Bedürfnis zum Gutsein in uns selbst und in unserem Verständnis der Welt, das durch das Streben nach Wissen und Erkenntnis geprägt ist.

In diesem Sinne ist uns als Humanisten das Osterfest als Frühlingsfeier mit mutmaßlich heidnischem Hintergrund deutlich lieber als das Zelebrieren eines blutigen Opfertods oder der endzeitlich angehauchte Auferstehungsmythos des Ostersonntags. Hase und Ei als Symbol der Erneuerung, des Aufbruchs in die helle Jahreszeit, der Fruchtbarkeit und des Friedens können wir gelten lassen – wir gehen ohne religiösen Eifer, aber mit Zuversicht und Tatkraft in das Frühjahr.

[starbox]

Schreibe uns doch eine Nachricht:

Sending

©2018 Partei der Humanisten – Rational. Liberal. Fortschrittlich.

Log in with your credentials

Forgot your details?