Philosophie – Der Humanismus

In den vorangegangenen Artikeln haben wir beantwortet, was die Philosophie ausmacht, wozu sie nützlich ist und was wir ihr verdanken. In den folgenden beiden Artikeln wollen wir darlegen, welche philosophische Grundlage unsere Partei hat.

Wie unser Parteiname sagt, stehen unsere politischen Überlegungen auf dem Fundament des Humanismus. Seit dieser im ausgehenden Mittelalter und in der Renaissance entstand – und diesen beiden Epochen zu ihren noch immer gebräuchlichen Namen verhalf – hat er unzählige Ausprägungen erfahren. Diese widersprachen sich in Teilen gegenseitig, was auch heute noch für einige Verwirrungen sorgt. Es ist deshalb oftmals notwendig, seinem Gegenüber zu erläutern, was man mit der Selbstbezeichnung „Humanist“ eigentlich genau meint.

 

All diesen Strömungen war eines gemeinsam, und daraus leiteten sie ihre Bezeichnung ab: Sie stellten den Menschen in den Mittelpunkt. Der Mensch sollte Mensch sein und dabei die Möglichkeiten erhalten, sich zu seinem Besten zu entwickeln. Es ging darum, den Menschen dort abzuholen, wo er steht, sein Wesen anzuerkennen und zu akzeptieren.

 

Im Gegensatz zu anderen philosophischen Strömungen gehen Humanisten von einem grundsätzlich positiven Menschenbild aus. Sie sehen den Menschen als vernunftbegabtes Wesen, dessen innerer Wunsch zur Selbstentfaltung seine treibende Kraft ist. Sein Streben nach Glück und Erfüllung wird dabei allerdings immer wieder durch gesellschaftliche Strukturen eingeschränkt. Der Mensch besitzt jedoch die Mittel, diese Hindernisse zu identifizieren, sich selbst zu erkennen und bestehende Probleme zu lösen.

 

An den Fragen, was das im Einzelnen hieß, wohin sich der Mensch entwickeln solle und welche Hindernisse es zu beseitigen galt, schieden sich jedoch die Geister. In der Renaissance und auch im Neuhumanismus des 18. Und 19. Jahrhunderts hielt man sich stark an die Gedanken der Antike und stilisierte die lateinische und altgriechische Literatur, Mythologie und Philosophie zum Vorbild, dem es nachzueifern galt. Die Nachwirkungen dieser Verehrung hat manch einer wohl noch im Lateinunterricht am „Humanistischen Gymnasium“ zu spüren bekommen.

 

Der Humanismus, den wir, die Partei der Humanisten, uns auf die Fahne schreiben, entspricht dem evolutionären Humanismus, wie er von dem UNESCO-Generalsekretär Julian Huxley zuerst umrissen wurde: Ohne unbegründete dogmatische Vorgaben hinzunehmen – seien sie politischer, religiöser oder moralischer Natur – sehen wir keine andere Möglichkeit, als den Menschen bei unseren Überlegungen in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Schließlich sind wir als Menschen durch unser Handeln direkt mit anderen Menschen und der Welt um uns in Kontakt. Hierbei begreifen wir den Menschen nicht als überhöhte „Krone der Schöpfung“, sondern als Ergebnis natürlicher Vorgänge und Veränderungen, also der Evolution.

 

Dies bedeutet, uns als Teil der Natur zu verstehen und uns nicht – im Guten wie im Schlechten – als von dieser verschieden zu betrachten. Es bedeutet aber auch, die Geschichte des Menschen, seine Kultur und Normen als Ergebnisse evolutionärer Prozesse zu begreifen: Menschen ändern sich und so auch unsere Gesellschaften. Von sozialdarwinistischen Auslegungen grenzen wir uns dabei strengstens ab. Diese sind Folge eines Verstoßes gegen Humes Gesetz , nicht vom „Sein“ aufs „Sollen“ zu schließen[1].

 

Uns als Humanisten geht es nicht um Kulturkämpfe, sondern um die Einsicht, dass sich die Umstände, unter denen wir leben stetig ändern und Anpassungen nötig sind. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Fortschritte und die fortschreitende Globalisierung bringen uns in Situationen, in denen althergebrachte Normen nicht mehr weiterhelfen.

 

Die gesellschaftliche Entwicklung selbst bringt neue Situationen hervor, in denen wir uns als Menschen beweisen müssen. Der sehnsüchtige Blick ins Gestern hält nur bedingt Ratschläge für das zukünftige Handeln parat, sind doch industrielle Automatisierungsprozesse, globalwirtschaftliche wie -politische Verstrickungen und die Bedürfnisse unserer stetig wachsenden Gesellschaften (bspw. im Bereich Energie) zumindest in diesem Ausmaß völlig neue Herausforderungen.

 

Um flexibel genug für diese Neuerungen zu bleiben, müssen wir deshalb stets kritisch hinterfragen, auch – oder vielleicht besonders – das, was wir seit jeher für gegeben betrachten.

 

Im nachfolgenden Artikel “Philosophie – Die Partei der Humanisten” erläutern wir, welche konkreten politischen Werte wir aus der Philosophie des Humanismus ableiten und wofür wir als Partei stehen.

[1] Vgl. David Hume: A Treatise of Human Nature (Buch III, Teil I, Kapitel I)


Über unsere Artikelserie „Welttag der Philosophie“


Zum UNESCO Welttag der Philosophie haben wir eine Artikelserie veröffentlicht, in der wir die Grundlagen der Philosophie vorstellen und erläutern, auf welcher Basis unsere Politik steht. Hier geht es zum Einleitungsartikel und einer Übersicht aller Artikel der Reihe: “Philosophie – Sapere aude!”

 

Zitat der UNESCO: „Die UNESCO-Generalkonferenz erklärte 2005 den dritten Donnerstag im November zum Welttag der Philosophie. Die Resolution 33C/Res. 37 erinnert daran, „dass Philosophie als Disziplin zum kritischen und unabhängigen Denken ermutigt und auf ein besseres Verständnis der Welt hinwirken und Toleranz und Frieden fördern kann“. Der Welttag soll „der Philosophie zu größerer Anerkennung verhelfen und ihr und der philosophischen Lehre Auftrieb verleihen.“

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