Die Kirche bewegt sich nicht

Am 31. Oktober ist das 25-jährige Jubiläum der Rehabilitierung Galileo Galileis. Doch noch immer blockiert die Kirche wissenschaftlichen Fortschritt.

1633 verurteilte das Tribunal der Inquisition den Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, weil er seine wissenschaftlichen Beobachtungen über die Autorität der Bibel gestellt hatte. Er musste seine Überzeugungen widerrufen und stand neun Jahre lang, bis zu seinem Tod, unter Hausarrest. Er erhielt Lehr- und Veröffentlichungsverbot und seine Werke wurden auf den Index gesetzt. Es ist einer der berühmtesten Fälle von Zensur.
Erst 200 Jahre später nahm der Vatikan Galileis Werke vom Index der verbotenen Bücher. Und 1992, also knapp 360 Jahre nach dem Urteil, kam eine von Papst Johannes Paul II. eingesetzte Kommission, die über den Fall zwölf Jahre lang beraten hatte, zu dem Ergebnis, dass der Kirche aufgrund „gegenseitiger Missverständnisse“ ein „Denkirrtum“ unterlaufen sei.

Der eigentliche Denkirrtum liegt aber anderswo, nämlich in der Annahme, die Kirche sei auch heute noch befugt, sich in alle Bereiche, wie auch die der Bildung und Forschung, einzumischen und ihre wissenschaftsfeindlichen Ansichten durchzusetzen.
Obwohl der Vatikan Wissenschaft und Kirche als miteinander vereinbar erklärt hat, wurde zum Beispiel Darwins Evolutionstheorie erst 1996 von der Kirche akzeptiert.
Im Zweifelsfall hat immer die Offenbarung, also der Glaube, Vorrang vor der Wissenschaft.
In der Stammzellforschung, der Diskussion um Sterbehilfe, der Theorie des Urknalls, der künstlichen Befruchtung – überall werden religiöse Wahrheiten über wissenschaftliche Erkenntnisse gestellt, als wäre man noch im Mittelalter.

Beispiel Präimplantationsdiagnostik (PID): Eigentlich müsste Deutschland aufgrund struktureller Faktoren an der Spitze der reproduktiven Medizin stehen. Doch die politischen Regelungen zu embryonaler Stammzellenforschung und -behandlung gehören zu den restriktivsten in ganz West-Europa. Eine Studie zu dem Abstimmungsverhalten der Abgeordneten im Bundestag über die PID zeigt, dass Religionszugehörigkeit der stärkste Prädiktor für eine Ablehnung dieser fortschrittlichen medizinischen Methode ist.

Glaube sollte keine politischen Entscheidungen bestimmen. Fakten sollten politische Entscheidungen bestimmen. Religiöse Überzeugungen und Befindlichkeiten Einzelner dürfen nicht für alle verbindlich gemacht werden. Alte Überlieferungen und Heilslehren sollten nicht wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn blockieren. Deshalb setzen wir uns für einen säkularen Staat ein.

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