Am 18.08.2017 veröffentlichte Ludger Weß den Artikel Wissenschaft im Zeitalter der (Post)moderne. Wir haben uns den Fragen des Autors gewidmet und ein Antwortschreiben verfasst, welches wir hiermit öffentlich zugänglich machen möchten.

Sehr geehrter Herr Weß,

ich schreibe Ihnen als Bundesvorstandsmitglied der Partei der Humanisten, welche dieses Jahr erstmalig an der Bundestagswahl teilnehmen wird.

Mit Interesse haben wir vor kurzem Ihren Artikel „Wissenschaft im Zeitalter der (Post)moderne“ vom 18.08.2017 gelesen und ihn zum Anlass genommen dieses Antwortschreiben zu formulieren. Ich würde mich freuen, könnte ich Sie dadurch ein wenig von uns begeistern. Besonders Ihre Kritik, dass wissenschaftliche Themen im Wahlkampf heutzutage kaum eine Rolle spielen, teilen wir, versuchen hier selbst in eine andere Richtung zu gehen und sehen Wissenschaftlichkeit als einen der definierenden Aspekte unserer Partei. Wir sehen starken Nachholbedarf nicht nur im Verhältnis von Politik und Wissenschaft und dem Zusammenspiel beider, sondern auch in der Gewichtung von Medienwahrnehmung und Faktenlage, was auch Sie zu recht beklagen.

Zwar gibt es in der BRD ein etabliertes System der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik: So gibt es Wissenschaftliche Dienste, Beratungsgremien, Kommissionen oder Think Tanks, die in unterschiedlichen (Un-)Abhängigkeitsgraden und Verfahrensweisen Einfluss auf die Politik ausüben. Letzten Endes sind Wissenschaft und Politik jedoch zwei getrennte Bereiche, die einander fremd sind. Die Berater haben Zugriff auf die Fakten und die Politiker treffen Entscheidungen basierend auf den Empfehlungen der Berater.

Wer über moderne, komplexe Themen entscheiden will, muss aber sowohl deren Grundlagen als auch Konsequenzen selbst verstehen können – einem Interessenvertreter mit Expertenwissen wäre es sonst ein Leichtes, mit Halbwahrheiten oder Fehlinterpretationen von Fakten bzw. Studien eine Entscheidung zu manipulieren. Eine Kompetenz im Sinne einer „scientific literacy“ ist daher auch für Politiker eine Voraussetzung, um sich in den vielen Angeboten „der Wissenschaftler“ zurechtzufinden und seriöse von unseriöser Forschung unterscheiden zu können.

Die Partei der Humanisten will ihre Politik frei von irrationalen Einflüssen gestalten und alle Positionen auf einem möglichst stabilen wissenschaftlichen Fundament errichten. Hierzu bemühen wir uns, bereits im parteiinternen Diskurs mit wissenschaftlicher Methodik vorzugehen.

Darüber hinaus haben wir es uns als Ziel gesetzt, langfristig ein Konzept zu erarbeiten, mit dem die Demokratie gegen solche irrationalen Einflüsse gestärkt werden kann. Dabei muss man die intellektuelle Ehrlichkeit besitzen, auch Grundstrukturen ergebnisoffen zu hinterfragen, ohne sie im Vorhinein als traditionell gerechtfertigt oder, im Gegenteil, als durch Alter überholt abzustempeln.

Bitte erlauben Sie uns, die von Ihnen zum Ende Ihres Artikels gestellten Fragen nicht nur als rhetorische Denkanstöße zu verstehen, sondern Ihnen die Antworten unserer Partei zu präsentieren:

 

  1. Erziehung und Innovation: Sollte die Evolutionslehre in der Schule gelehrt werden und, wenn ja, sollten parallel auch religiöse Lehren über den Ursprung des Lebens und der Menschheit gelehrt werden? Sollte der klassische naturwissenschaftliche Fächerkanon in den Schulen beibehalten oder sollte er zugunsten von Umwelterziehung aufgehoben werden?

Nicht nur ist die Evolution ein beobachtbarer und durch verschiedene Wissenschaften mehr als ausreichend belegter Fakt und die sie beschreibenden Theoriensysteme ebenfalls durch Jahrhunderte der kritischen Prüfung bestärkt, sie bildet auch einen wichtigen Grundstein für die komplette Wissenschaft der Biologie. Die Biologie, und in der Folge auch weite Teile der medizinischen Forschung, ohne Bezug zur Evolution verstehen zu wollen, käme dem Versuch gleich, Physik ohne die vier Grundkräfte zu verstehen. Sie muss daher in der Schule gelehrt und auch fächerübergreifend als Fakt angesehen werden. Die Humanisten fordern ohnehin die Behandlung von Religion als Privatsache und lehnen die Unterweisung in öffentlichen Institutionen ab. Hierzu streben wir langfristig eine Änderung der Verfassung an, die es ermöglicht, den konfessionellen Religionsunterricht durch ein für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtendes ethisch-philosophisches Fach zu ersetzen, das individuelle Moralbildung genauso ermöglicht wie bspw. die Thematisierung logisch-argumentativer Strukturen, der Unterscheidung von Mythos und Logos und der Wissenschaftstheorie. Die Grundbildung in naturwissenschaftlichen Fächern ist nicht durch Umwelterziehung zu ersetzen. Stattdessen muss dieses Thema seinem Umfang entsprechend fächerübergreifend Niederschlag finden (bspw. wenn im Englischunterricht Globalisierung behandelt wird, man in Chemie über Zerfallsprozesse spricht sowie, wenn in Biologie Lebensräume oder der Kohlenstoff-Sauerstoff-Kreislauf oder in Philosophie das Konzept der Verantwortung thematisiert werden).

  1. Forschung und Innovation: Sollten die Ausgaben für Grundlagenforschung erhöht werden? Auf welchen innovativen Gebieten besteht in Deutschland Ihrer Meinung nach Nachholbedarf? Wie stehen Sie zur steuerlichen Förderung von innovativen Unternehmen?

Ja, die staatlichen Ausgaben für Forschung sollten erhöht werden. Im internationalen Vergleich lässt sich feststellen, dass andere Industrienationen wie Schweden, Dänemark, Japan oder Südkorea hier mehr investieren. Auch die Zuwachsraten in anderen asiatischen Ländern zeichnen sich als größer ab. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollten von 2,8% des BIP langfristig auf einen Wert von 4% erhöht werden, um international auf Spitzenplätzen zu verbleiben. Nachholbedarf an Investitionen zeichnet sich insbesondere in den verschiedenen Bereichen der Biotechnologie, der KI-Forschung und der Raumfahrt ab, aber auch in der Energietechnik. Eine steuerliche Förderung wäre für begrenzte Zeiträume und Tätigkeitsfelder denkbar, sollte aber nicht die primäre Option sein.

  1. Klima: Wie kann der CO²-Ausstoß Deutschlands verringert werden, ohne gleichzeitig eine zuverlässige Energieversorgung zu gefährden?

Nach gegenwärtigem technologischen Stand, was Speichermöglichkeiten und Emissionen bei der Herstellung der entsprechenden Anlagen betrifft, ist die Frage nach einer zügigen Dekarbonisierung der Energieversorgung nur durch kritischen und ergebnisoffenen Risiko-, Kosten- und Nutzenvergleich der Nutzung und Nichtnutzung aller bestehenden und zukünftig umsetzbaren Lösungen zu beantworten. Hierbei ist besonders die Umsetzung kurzfristiger Lösungen zur Ermöglichung langfristig effektiverer aber auch langwieriger umsetzbarer Ideen zu beachten. Eine gewisse Reduktion kann kurzfristig bereits durch die Umstellung von Kohle auf Gas erreicht werden. Dazu muss, im aktuell technisch sinnvollen Rahmen, die Nutzung von Solar-, Wasser- und Windenergie kommen. Um faktenbasierte Lösungen zu finden, sollte man auch Kernkraft nicht kategorisch ausschließen, muss die mögliche Verwendung aber von Forschungsergebnissen und der (Zeit-)Kosten-Nutzen-Bilanz im Bereich der “grünen Kernenergie” abhängig machen. (s. Antwort auf Frage 11.) Die veralteten Reaktordesigns, die in Deutschland noch genutzt werden müssen selbstverständlich weiter zurückgebaut werden.

Für die effiziente Nutzung kohlenstoffarmer Energieproduktion ist auch eine Modernisierung und Optimierung des Stromnetzes notwendig, um unnötige Verluste zu vermeiden und die erzeugte Energie angemessen zu verteilen.

Wie bei Frage zwei angemerkt, muss in zukunftsorientierte Forschung investiert werden, indem an Forschungsprojekten zur Eindämmung des CO²-Ausstoßes teilgenommen wird und Forschung an Themen wie Kernfusion, Wasserstoff als Energiequelle und -speicher sowie Geo-Engineering gefördert wird.

  1. Gesundheit: Halten Sie Impfungen für eine wichtige präventivmedizinische Maßnahme? Sind Sie der Auffassung, dass Impfungen schwerwiegende Nebenwirkungen wie Autismus verursachen? Wie stehen Sie zur MMR- und zur HPV-Impfung? Sollten bestimmte Impfungen verpflichtend werden?

Der Erfolg gibt der Impfung als präventive Maßnahme Recht. Ihr ist es zu verdanken, dass wir viele Krankheiten eindämmen, zu Randerscheinungen marginalisieren oder sogar ganz verdrängen konnten. Die Impfung leistet einen unersetzlichen Beitrag zur Prävention von Krankheiten und durch die geringere Ansteckungsgefahr auch zum Schutz von den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, deren Immunsystem aufgrund von Alter oder Krankheit schwach ist und die sich nicht selbst impfen lassen können. Selbstverständlich muss, wie bei jedem anderen Medikament auch, überprüft werden, welche Nebenwirkungen auftreten können und gegen den Nutzen abgewogen werden. Die Chance von schwerwiegenden Nebenwirkungen allgemein ist bei den bisherigen Präparaten sehr gering und wiegt den Nutzen des Impfens bei weitem nicht auf. Auf einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gibt es bisher keinerlei Hinweise (Die einzige Studie, die diesen Zusammenhang herstellte, wurde schon lange von der wissenschaftlichen Gemeinschaft widerlegt und dem Autor finanzielle Interessen nachgewiesen, was ihn die Approbation kostete). Ich zitiere aus dem kürzlich verabschiedeten Positionspapier der Humanisten zur Gesundheitspolitik: „Wir setzen uns für eine generelle Impfpflicht bis zum 16. Lebensjahr, entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), ein. Für Erwachsene halten wir regelmäßige verpflichtende Aufklärungsgespräche über die Vorteile und Nebenwirkungen der empfohlenen Impfungen für sinnvoll. Auf dieser Grundlage erfolgt eine informierte Einwilligung.“

Positionspapier Gesundheitspolitik

  1. Pandemien: Was sollte Ihrer Meinung nach getan werden, um die Entstehung von Pandemien effizient erkennen und bekämpfen zu können? Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um Antibiotikaresistenzen und multiresistente Keime zu bekämpfen und neue Antibiotika zu entwickeln?

Bisher liegt kein Parteikonsens zu diesem Thema vor. Ich kann Ihnen aber mitteilen, dass die AG Gesundheitspolitik diese Frage in ihre Liste für zukünftige Themen aufgenommen hat. Grundsätzlich ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika sowohl von Seiten der verschreibenden Ärzte als auch der Patienten unverzichtbar. Dazu ist auch eine Grundbildung nötig, die die Wirkungsweise solcher Präparate verstehen hilft und bspw. die Notwendigkeit, sie wirklich bis zum Ende der Behandlung einzunehmen, verdeutlicht (auch hierbei ist ein Verständnis von evolutionären Vorgängen unabdingbar). Prinzipiell zu untersuchen ist, welche wirtschaftlichen Strukturen die Erforschung neuer, wirksamer Antibiotika am meisten fördern. Die hygienischen Bedingungen in Krankenhäusern sollten ebenso auf den Prüfstand gestellt werden, wie es notwendig ist Lösungen dafür zu finden diese zu verbessern und das Entstehen multiresistenter Keime somit stärker zu unterbinden.

  1. Landwirtschaft: Halten Sie es für möglich, in der Landwirtschaft komplett auf Pestizide, Gentechnik und andere moderne Technologie zu verzichten? Falls ja, auf welche Untersuchungen stützen Sie sich dabei?

Nicht nur haben wir einen Entwicklungsstand der Gesellschaft erreicht, der eine Aufrechterhaltung bei Verzicht auf moderne Technologien nicht ermöglicht, es stellt sich auch die Frage, wieso ein solcher Verzicht vorzuziehen sein sollte. Es ist fundamental wichtig, die Rolle von Technologie als Werkzeug zu verstehen. Gentechnologie im engen modernen Sinne ist nichts weiter als die präzisere Fortsetzung der Mutationszüchtung mit Hilfe von Mutagenen oder Strahlung, welche grob genommen nur eine schnellere Variante der herkömmlichen Züchtung darstellt – was sämtliche Kennzeichnungen als “ohne Genmanipulation” ad absurdum führt. Alle drei sind Wege, die Gene einer Pflanzenpopulation zum angestrebten Effekt hin zu manipulieren. Selbst wenn es möglich wäre, ohne moderne Technologien Landwirtschaft zu betreiben, so kann dies nicht so ertragreich sein, wie mit diesen Technologien. In einer Zeit ständigen Bevölkerungswachstums, in der vielerorts die unabhängige Selbstversorgung mit Nahrung ein großes Problem darstellt, bietet gerade die moderne Gentechnik eine Perspektive, den Welthunger auch auf lange Sicht im Wachstum zu hemmen oder sogar zu bekämpfen. Das heißt nicht, dass man nicht – wie mit jedem Werkzeug – verantwortlich die Folgen seines Handelns abzuschätzen und abzuwägen hat. Es wäre aber sträflich, diese Möglichkeiten aus irrationaler Scheu und Angst oder bloßem Konservatismus auszuschließen.

  1. Grüne Gentechnik: Wie stehen Sie zu modernen Methoden der Pflanzenzüchtung (Einführung von Transgenen, Gene Editing, …)? Halten sie die Sicherheitsforschung der letzten 25 Jahre in Sachen Grüne Gentechnik für ausreichend?

Wie Sie unserem oben (Frage vier) verlinkten Positionspapier entnehmen können, sind wir sogar der roten Gentechnik gegenüber aufgeschlossen. Dementsprechend, und wie Sie der Antwort zu Frage sechs entnehmen können, sehen wir auch in der grünen Gentechnik ein wichtiges Werkzeug, das, verantwortungsvoll eingesetzt, großes Potential für eine Steigerung des menschlichen Wohlergehens weltweit birgt.

  1. Tierversuche: Halten Sie Tierversuche für notwendig, um neue Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln? Falls nein, welche Alternativen schlagen Sie vor, um Sicherheit und Verträglichkeit neuer Wirkstoffkandidaten vor Versuchen an Menschen abzuschätzen?

Aufgrund des komplexen Zusammenspiels von Zellen und Organen in einem Organismus können Ergebnisse von Simulationen oder Tests an einzelnen Zellen nur sehr bedingt auf Menschen übertragen werden. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit, Medikamente an  dem Menschen möglichst nah verwandten Testsubjekten zu erproben. Das Mitgefühl, das wir Menschen anderen Lebensformen entgegen bringen, richtet sich aber oft danach, wie viel Ähnlichkeit wir erkennen: Affen stehen höher im Kurs als andere Säugetiere, welche wiederum höher bewertet werden als Reptilien oder Fische und so weiter. In der Tat steht man vor schwierigen philosophisch-ethischen Problemen, wenn man versucht Versuche an Tieren zu rechtfertigen, die man an Menschen noch nicht durchführen möchte. Die Partei der Humanisten möchte sich mit dem Thema in Zukunft noch eingehender auseinandersetzen, vertritt aber momentan folgende Position: Bis die Forschung so weit ist, verlässlich gleichwertige Alternativen zu bieten, erkennen wir an, dass es notwendige Tierversuche gibt, sehen aber absolut die Notwendigkeit tierisches Leid so weit es geht zu vermeiden. Dadurch bedingt sich die Forderung, verantwortungsvoll mit den Lebewesen umzugehen, diesen während ihres Lebens möglichst Leid zu ersparen und sie nur zu Tests heranzuziehen, wenn dieser Schritt für die weitere Forschung unabdingbar ist, und, wenn der zu erwartende Erkenntnisgewinn das Leid des Tieres überwiegt und somit in einem vertretbaren Verhältnis steht. Ebenso sind Methoden und Technologien zu prüfen und zu fördern, die die Notwendigkeit von Tierversuchen langfristig vermindern (Multi-Organ-Chips etc.).

  1. Stammzellen: Wie ist Ihre Haltung zu Stammzell- und Embryoforschung? Was sollte in Deutschland erlaubt und was verboten werden?

Auch wenn hierzu abschließend noch kein Parteikonsens erarbeitet wurde, ist auch dieses Thema Teil der internen Gespräche. Allgemein lässt sich festhalten, dass das Embryonenschutzgesetz vollständig überarbeitet oder in seiner bisherigen Form aufgehoben werden sollte, um die Nutzung von Zygoten als Nebenprodukt künstlicher Befruchtung sämtlichen Forschungsvorhaben im Bereich der Medizin, Entwicklungsbiologie und Biotechnik zugutekommen zu lassen. Bereits befruchtete Zygoten, die nicht zur Empfängnis der Mutter verwendet werden (können) sterben zu lassen, einen Erkenntnisgewinn aus diesem Prozess aber zu verhindern, stellt keinen Zugewinn an Menschlichkeit oder Moral dar. Es verschließt lediglich die Augen vor der in jedem Fall stattfindenden Entscheidung, welche Zygoten eingesetzt werden und welche nicht weiter leben. Hier ist bspw. eine Einwilligungsregelung mit Nutzerinnen künstlicher Befruchtung ein denkbarer Schritt. Die gezielte Befruchtung von Eizellen zum Experimentieren ist stärker zu bewerten und bedarf noch eingehenderer Prüfung, würde aber ggf. nur speziellen Labors mit Sondergenehmigung bei fixen Kontingenten gewährt.

  1. Künstliche Intelligenz: Sollte die Entwicklung und Einführung künstlicher Intelligenz kritisch evaluiert werden? Welche Fragen stehen bei Ihnen im Vordergrund?

Kritische Evaluation ist immer und bei allem geboten. Sie ist Kernstück wissenschaftlichen Denkens. Es ist selbstverständlich geboten, sicherheitstechnische Rahmenbedingungen im Umgang mit selbstlernenden Systemen zu implementieren. Das betrifft aber zunächst weniger die Forschung und Entwicklung als vielmehr ihren endgültigen wirtschaftlichen Einsatz z.B. im Rahmen von Hochfrequenzhandel oder der Kommunikation im Netz via Chatbots, etc. Auch hier ist wieder festzuhalten, dass Technologie als Werkzeug nicht per se gute oder schlechte Dinge hervorbringt, sondern eine verantwortungsvolle und vorausschauende Nutzung vielversprechender ist als blinder Einsatz oder irrationale Ablehnung aus Angst vor Veränderung.

  1. Atomforschung: Lehnen Sie Atomkraft auch dann noch ab, wenn Reaktordesigns entwickelt werden, die Kernschmelzen und den Anfall von Jahrtausende strahlenden radioaktiven Müll ausschließen? Sollten deutsche Forschungseinrichtungen und Firmen weiter an neuen Reaktordesigns und an der Kernfusion forschen?

Auch Atomkraft stellt ein Werkzeug dar und ist daher nicht per se “böse” oder “gut”. Leider ist dieser Idealzustand bisher nicht erreicht, sodass ein Kernkrafteinsatz akut noch keine Forderung einer Zukunftsorientierten Partei sein kann. Die Möglichkeit inhärent sicherer Designs und der Weiterverwertung (bisher) anfallenden Atommülls oder sogar von Reaktorsystemen, die keinen anhaltend strahlenden Müll produzieren, muss aber weiter erforscht werden, solange die Aussichten auf Erfolg plausibel sind. Dies scheint u. a. mit modernen Thorium-Salz-Reaktoren der Fall zu sein, welche bspw. China angekündigt hat, innerhalb der nächsten 15 Jahre ans Netz bringen zu wollen. Besonders bis man Probleme der Speichertechnologie, wie die Beschaffung der notwendigen Ressourcen, die Haltbarkeit und Entsorgung oder die Kapazitäten gelöst hat und somit in der Lage ist, von Umweltbedingungen abhängige Energien wie Solar- oder Windkraft effektiv zu nutzen, bleibt die Erforschung sicherer und abfallfreier Kernkraft als Alternative somit eine Notwendigkeit. Die Verwendung darf aber eben nur fester Planungsbestandteil werden, wenn die Forschung die entsprechende Sicherheit und Abfallfreiheit garantieren kann.

  1. Weltraum: Sollte Deutschland mehr Geld für die (bemannte) Weltraumforschung ausgeben? Wenn ja, auf welchen Gebieten? Wenn nein, warum nicht? Sollten wir zum Mars fliegen?

Insgesamt ja, gerade auf dem Gebiet der Ressourcengewinnung und Energieerzeugung im Weltraum. Ein Flug zum Mars hätte eine historische und politische Relevanz, ähnlich der Mondlandung, und wäre daher unterstützenswert. Auch darf man die Faszination und Inspiration, die der Weltraum bietet, als Motivator für wissenschaftliches Interesse nicht unterschätzen. Näherfristiges Engagement wäre jedoch in den Bereichen Ressourcen, Energie und Forschungsvorhaben mittels Satelliten sinnvoller.

 

Ich hoffe, unsere Ausführungen waren für Sie von Interesse.

Mit freundlichen Grüßen,

Torben Pöllmann
Bundesvorstandsmitglied

 

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