Ein Anschlag auf die Freiheit

Fassungslos habe ich Freitag Nacht von den Anschlägen in Paris gehört. Und auch jetzt ringe ich noch um Worte, wenn ich mit Freunden und Bekannten über die Ereignisse spreche. Es ist schwer die passenden zu finden, aber es brennt mir unter den Fingern.
Dieser Anschlag galt unbescholtenen Bürgern einer offenen Gesellschaft. Unter den Opfern sind Konzertbesucher, Gäste in Bars, Geburtstagsfeiernde, Umherziehende im Pariser Nachtleben und deren Angehörige.  Die Terrororganisation “Islamischer Staat” nennt es “perverse Feier”. Wir nennen es “Leben”.

Der Anschlag galt nicht nur den direkten Opfern, sondern allen Menschen in Europa. Die Terroristen wollen Angst verbreiten. Die Wahl der Ziele spricht eine klare Sprache: Du bist nirgends mehr sicher. Die rohe Gewalt ist dabei nicht die einzige Ebene auf der der  Angriff auf die Freiheit und Pluralität der europäischen Gesellschaft abläuft. Denn Terror ist vornehmlich eine Kommunikationsstrategie; Angst, Verwirrung und Destabilisierung sind die ausgeschriebenen Ziele.

Der IS steckt zwar hinter der Tat, aber noch ist nicht sicher, ob die Attentäter gebürtig aus den arabischen Ländern oder Frankreich kommen. Einer von ihnen war gebürtiger Franzose, bei einem anderen wurde ein syrischer Pass gefunden. Unabhängig davon ob dieser echt oder gefälscht ist, zeugt das von einem perfiden Plan.
Dieser Angriff ist eine gewaltige Herausforderung für die offene Gesellschaft in Europa und auf der Welt.

 

Ein Anschlag auf die Brüderlichkeit

Europa ist geteilt in der Flüchtlingsfrage. Die Zivilgesellschaft zeigt sich von der besten Seite und hilft völlig fremden Neuankömmlingen wo sie nur kann. Die Politik kann sich allerdings nicht zu einem vernünftigen und organisierten Umgang durchdringen. Europäische Abkommen werden in Frage gestellt und gebrochen, sogar innereuropäische Grenzen werden diskutiert und teilweise umgesetzt. Diese Stimmung wird durch den Anschlag angeheizt – Höhenflüge für Rechte wie die AfD.

Den Menschen die aus Syrien vor Bürgerkrieg und Terror fliehen und in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Europa kommen, soll der Anschlag zeigen, dass sie auch hier nicht gänzlich in Frieden und Freiheit leben können. Und er soll einen Keil zwischen die Flüchtenden und die Anwohner der Zielländer treiben. Stigmatisierung und Ausgrenzung dieser sind gewollt, wir sollen in jedem Bartträger, in jedem Moslem, in jedem Flüchtenden einen potenziellen Terroristen sehen.

Einige Wirrköpfe dagegen werden dem IS die Urheberschaft für diesen Anschlag absprechen und den “Westen”, “Kapitalismus” und seinen Wohlstand selbst dafür verantwortlich machen.

 

Liberté, Égalité, Fraternité

Fast schon untergegangen ist, dass wenige Tage vor Paris auch in Beirut ein Terroranschlag mit vielen Opfern verübt wurde. Auch da hat sich der IS zu der Tat bekannt. In den Medien war kaum davon zu hören, wahrscheinlich, weil aus unserer Perspektive der Terror im arabischen Raum schon zum Normalzustand geworden ist. Das ist entsetzlich wie falsch.

Unser Mitgefühl scheint an den Ländergrenzen zu enden. Wenn ein Attentat auf ein Flugzeug verübt wird sind wir erleichtert, wenn keine Deutschen darunter waren. Wir wenden uns ab, gehen zum Tagesgeschäft über. Dabei sind Empathie und Mitgefühl unsere stärksten Verbündeten – das was uns von den Extremisten und Terroristen unterscheidet.

Gemeinsam müssen wir dafür kämpfen, dass Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zum Normalzustand für die Menschen dieser Welt werden. Für Europäer sowie für Araber. Unabhängig von Geschlecht, Religion oder sozialer Lage. Wir werden die Freiheit nicht den Terroristen opfern. Wir werden die Freiheit auch nicht Kulturrelativisten überlassen, die sie in vorauseilendem Gehorsam überreichen. Und wir werden die Freiheit erst recht nicht konservativen Hardlinern schenken, die als Wächter ebendieser auftreten, deren Interesse aber eine Beschränkung dieser ist.

 

Liberté, Égalité, Fraternité. Freiheit in der Lebensgestaltung, Gleichheit vor dem Gesetz und Brüderlichkeit über Völker und Religionen hinaus.


Dafür stehen wir mit Frankreich.


Dafür stehen wir mit der Welt
.

 

 

1 Comment

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  1. Itna Tsirhc 3 Jahren ago

    „Fast schon untergegangen ist, dass wenige Tage vor Paris auch in Beirut ein Terroranschlag mit vielen Opfern verübt wurde. Auch da hat sich der IS zu der Tat bekannt. In den Medien war kaum davon zu hören, wahrscheinlich, weil aus unserer Perspektive der Terror im arabischen Raum schon zum Normalzustand geworden ist. Das ist entsetzlich wie falsch.“

    So ist es.
    Aber dieser Terror ist weit weg, genauso weit die täglich 1000 verhungernde Kinder.
    Würde dies auch jeden Tag in allen Medien publiziert, die Sache sähe vielleicht etwas anders aus.

    Aber Hunger betrifft UNS ja nicht und Terror x km weit entfernt auch nur wenig.

    Allerdings sollte über Terroranschläge viel, viel weniger berichtet werden, man wird sonst leicht zum Multiplikator der Terrorristen – diese dürften die massenhafte Berichterstattung sehr begrüßen.

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