Kirchenaustritt fotoFoto von cows_at_home

Die Katholischen Kirche in Deutschland hat die Zahlen zur Mitgliederentwicklung im Jahr 2014 veröffentlicht – und muss nun die neueste Erschütterung ihres sonst scheinbar unverwüstlichen Selbstvertrauens verarbeiten.

„Insgesamt 217.716 Menschen kehrten der katholischen Kirche den Rücken zu, so viele wie noch nie zuvor. […] Somit sank der Anteil der Katholiken an der deutschen Bevölkerung im vergangenen Jahr um etwa 0,4 auf 29,5 Prozent. In Deutschland sind also noch 23.939.472 Menschen Mitglied der katholischen Kirche.“
Mittlerweile ist über ein Drittel der deutschen Gesellschaft konfessionsfrei. Ihr Anteil steigt damit immer weiter an.

Die Oberhäupter der Katholischen Kirche müssen die bittere Erkenntnis verdauen, „dass wir die Menschen mit unserer Botschaft nicht erreichen“ (der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Marx).

Kirchenkritiker und Humanisten kann diese Entwicklung kaum überraschen. Die Liste der möglichen Ursachen ist lang, die Konsequenzen hingegen waren absehbar.

Der Wertekanon unserer modernen Gesellschaft unterliegt einer permanenten Weiterentwicklung, mit der die starren Religionsgemeinschaften schwer bis gar nicht Schritt halten können. Die Katholische Kirche bildet da keine Ausnahme:
Dogmen und Traditionen, das christliche Bild vom Menschen als ewiger Sünder (Marx: „Das Evangelium Jesu Christi […] ist im Kern eine Botschaft, die den Menschen wirklich befreit“), die Bibel als Richtschnur der Lebensgestaltung und der Glaube als zentrales identitätsstiftendes Merkmal verlieren mit fortschreitender Aufklärung und Liberalisierung sowie zunehmender Bildung immer mehr an Bedeutung für die deutsche Bevölkerung.

Die Entwicklung hin zu individuellen Freiheiten, persönlichen Lebensentwürfen und Sinnstiftungen, neuen Rollen- und Beziehungsmodellen sowie die säkulare Umwidmung ehemals kirchlicher Monopole wie der Ehe oder der Bestattung entziehen der kirchlichen Missionierung von Generation zu Generation immer mehr Nährboden.

Das muss sich auch die Kirche selbst eingestehen: Auf ihrer Homepage wird eine Umfrage unter 1000 Gläubigen zitiert, die als Grund für einen möglichen Austritt „allen voran eine wahrgenommene Rückständigkeit der Kirche (55 Prozent)“ angeben.

Auch die Skandale der letzten Jahre, die die katholischen Bistümer erschüttert haben, lassen sich als Einflussgröße nicht wegbeten:

Immer neue Enthüllungen zur systematischen Vertuschung von Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen brachten selbst hartgesottene Katholiken auf die Barrikaden und sorgten 2010 für die letzte herausragende Austrittswelle.

Die Veröffentlichung der schwindelerregenden Reichtümer der katholischen Bistümer (angeführt vom Erzbistum Köln mit 3,35 Mrd. Euro) in Verbindung mit den unvermindert geleisteten jährlichen Staatssubventionierungen und den luxusgetriebenen Eskapaden des ehemaligen Limburger Bischofs Tebartz-van Elst (abgestraft mit einem Ruhestandsgehalt in Höhe von 71% der Besoldungsgruppe B8 und einer neuen Stelle als Delegat im Leitungsteam des päpstlichen Rates), erregten großes öffentliches Aufsehen.

Das laufende Jahr 2015 lässt vermuten, dass sich dieser Trend des Anstiegs von Ex-Katholiken fortsetzen wird: Während das ehemals hochkatholische Irland im Mai per Volksabstimmung die Gleichstellung der Ehe für Homosexuelle beschlossen und im Juni auch der amerikanische Supreme Court das Verbot der „Homo-Ehe“ für verfassungswidrig erklärt haben, beharren Vertreter der katholischen Kirche nicht nur auf ihrer anachronistischen Ablehnungshaltung, sondern versteigen sich mitunter zu so entlarvenden Äußerungen wie der des Kardinal-Staatssekretärs Parolin im Vatikan, der die Gleichstellung der „Homo-Ehe“ in Irland als „Niederlage für die Menschheit“ bezeichnete.

Schließlich erscheinen auch die Auswüchse des mehr als umstrittenen kirchlichen Sonderarbeitsrechtes mehr und mehr Wellen zu schlagen und vermehrt auf Unverständnis zu stoßen. Warum ein Chefarzt eines Krankenhauses in katholischer Trägerschaft (aber staatlicher Budgetierung) rechtskräftig entlassen werden kann, weil er es wagt, sich nach seiner Scheidung wieder zu verheiraten, lässt sich einem Großteil der deutschen Bevölkerung heute einfach nicht mehr klar machen.

Auch in Debatten über wissenschaftliche, ethische oder juristische Probleme des 21. Jahrhunderts – wie den Schwangerschaftsabbruch, die Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik oder Stammzellenforschung, die Besetzung von Rundfunkräten und Ethikkommissionen, die Flüchtlings- und Asylpolitik oder die Forderung nach Grundrechten für Große Menschenaffen – mischt sich die katholische Kirche Kraft ihres 2000 Jahre alten Buches mit unverminderter Vehemenz ein, treffen inzwischen aber auf den erbitterten Widerstand diverser humanistischer, aufklärerischer oder politischer Organisationen.

Die Partei der Humanisten beobachtet die Mitgliederentwicklung bei der katholischen Kirche mit Genugtuung – zeigt sich doch, dass sich wie zur Bekräftigung unserer Forderung nach konsequenter Trennung von Staat und Kirche vermehrt auch das (dem Staat zugrunde liegende) Volk von der Kirche trennt.

Die fortschreitende Säkularisierung innerhalb der Gesellschaft muss sich endlich auch in der Politik niederschlagen. Schon seit einiger Zeit ist der größte Teil der Bevölkerung konfessionsfrei – Tendenz steigend. Vor dieser Entwicklung dürfen die Volksvertreter nicht die Augen verschließen, sondern müssen endlich auch konfessionsfreie Politik machen.

Quellen:

http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/wieder-mehr-kirchenaustritte

http://www.welt.de/politik/deutschland/article144147373/Noch-nie-verliessen-so-viele-die-katholische-Kirche.html

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