human foto Relativ zeitgleich mit unserer Partei der Humanisten hat sich in den USA die sogenannte Transhumanistische Partei gegründet. Was hat es damit auf sich und wie stehen Transhumanismus und der moderne Humanismus des 21. Jahrhunderts zu einander?

Der Biologieprofessor und erste Generaldirektor der UNESCO Julian Sorell Huxley gilt als Vordenker und Entwickler des evolutionären Humanismus. Der moderne Humanismus des 21. Jahrhunderts basiert nur noch in Minderheitsanteilen auf dem der Antike oder Renaissance. Insbesondere die entsprechenden deutschen Vereine, Stiftungen und Organisationen nehmen darauf ihren Hauptbezug. Wie im Leitbild der Partei kenntlich ist, gilt das ebenso für uns.
Innerhalb der Vereinigten Staaten existiert zwar der Begriff des „Secular Humanism“ ebenfalls, genießt aber nicht einmal im Ansatz die gesellschaftliche Relevanz wie in Europa. Dort ist es üblich viele Eigenschaften des Humanismus unter einfachem „Atheism“ zusammenzufassen (obwohl das philosophisch absolut nicht korrekt ist). Angesichts eines Anteils von nur 15% Naturalisten an der Gesamtbevölkerung ist das dennoch rational und konsequent, da eine weitere definitorische Zergliederung die Gesamtposition schwächen würde.

Doch Huxley entwickelte Zeit seines Amtes noch eine weitere naturalistische Philosophie ungefähr 10 – 15 Jahre nach dem modernen Humanismus. Dies ist der Transhumanismus. In Zentraleuropa stieß der Humanismus im Laufe der Zeit auf verstärkte Resonanz. Seine Positionen und Forderungen genießen heute innerhalb der deutschen Bevölkerung und manch anderen westeuropäischen Ländern eine Mehrheit. Der Transhumanismus blieb hier jedoch eine Randerscheinung. In den USA verlief die Entwicklung allerdings genau umgekehrt. Mittlerweile erfreut sich diese Techno-Philosophie insbesondere unter den „gottlosen“ 15% einer wachsenden Beliebtheit, allerdings kommen auch gemäßigt religiöse Kulturchristen überraschend gut mit dieser progressiven Philosophie klar, obwohl sie ihrer Weltanschauung stark zuwiderläuft. Für die Verbesserung der eigenen Lebensumstände scheinen viele moderat religiöse Menschen bereit zu sein über die ihnen vorgegebenen Dogmen hinwegzusehen.

Auch und grade innerhalb der Kreise der intellektuellen und wirtschaftlichen Elite des Landes nehmen die Anerkennung und die aktive Verbreitung des Transhumanismus stark zu. Eine Vielzahl technologischer Vordenker und Experten wie Peter Thiel, Ray Kurzweil, Peter Diamandis, Max More, Eric Drexler oder Marvin Minsky zählen zu seinen Unterstützern. Nun nehmen sie Kurs auf die Politik ihres Landes. Aus diesen Kreisen führender Ingenieure, Wissenschaftler und Philosophen stammt auch Zoltan Istvan, Vorsitzender der neuen Transhumanistischen Partei und Präsidentschaftskandidat für 2016.

Insgesamt ist der Transhumanismus trotz leicht anders gewichteter Prioritäten die beste Entsprechung zum europäischen Humanismus. Allzu bald werden weder Istvan noch andere atheistische Transhumanisten einen Präsidenten stellen. Dennoch besitzt diese Philosophie eine realistische Chance selbst in den durch ihre Entstehungsgeschichte bis heute stark religiös indoktrinierten USA zu einer ernsten politischen Größe anzuwachsen. Sollte eines Tages der Humanismus in Deutschland und Europa eine politisch wichtige Strömung bilden, so wären sicherlich die Grundpfeiler einer produktiven Zusammenarbeit gelegt.

Wichtig ist zu beachten, dass es bei genauem Hinsehen keine Inkompatibilitäten zwischen den beiden Weltanschauungen gibt. Das wäre auch sehr verwunderlich, da sie beide in ihrer Urkonzeption aus der Feder des gleichen Wissenschaftlers stammen. Der Hauptunterschied zwischen dem Humanismus und dem Transhumanismus liegt allein in ihrem Umgang und ihrer Bewertung von Wissen. Transhumanisten betrachten den technologischen Aspekt der Wissenschaft als wichtigsten Gesichtspunkt, wodurch sich ihre Technologieaffinität und der massive, meist enthusiastische Fortschrittsdrang speisen. Dahingegen spielt für Humanisten die erkenntnistheoretische und fallibilistische Funktion der Wissenschaften eine tendenziell größere Rolle. Das führt beispielsweise dazu, dass Humanisten der Entschärfung und Entmachtung des weit verbreiteten Supernaturalismus mehr Aufmerksamkeit im hier und jetzt schenken und den Themen der Philosophie und Erkenntnistheorie viel Energie widmen, während Transhumanisten (durchaus nicht ungerechtfertigt) davon ausgehen, dass sich dieses Problem durch den zivilisatorischen Fortschritt bei Zeiten ohnehin von selbst erledigt, quasi als Nebenprodukt ihrer forcierten Bemühungen für eine bessere Welt durch technischen Fortschritt. Wer von beiden Richtungen dabei die bessere Strategie verfolgt, wird die Zunahme der Säkularisierung und Technisierung in Nordamerika und Europa demographisch unter Beweis stellen. Da unsere beiden Kontinente in soziologischer Hinsicht ohnehin weiter zusammenwachsen, wäre es am sinnvollsten durch eine enge Zusammenarbeit in naher Zukunft das Beste beider Welten zu vereinen, um einen optimalen gesellschaftlichen Naturalismus zu schaffen. Dies war einst auch Huxleys großer Plan.

Im Sinne unsere Mottos „Weltliche Menschen für eine menschliche Welt“, wünsche ich daher abschließend unserer Schwesterphilosophie auf der anderen Seite des großen Teichs viel Erfolg auf dem Weg zur politischen Gestaltungsmacht.

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