Zu einer Arbeit gezwungen werden, die einem nicht gefällt, nicht interessiert und schlecht bezahlt wird, das würde doch keiner wollen. Außer natürlich die CDU. Hier wird die Dienstpflicht immer wieder ins Gespräch gebracht – zuletzt auch von der Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer.

Immer wieder aufs Neue ignoriert die CDU, wie sehr ein Pflichtjahr jungen Bürgern schadet. Der Staat zwingt damit mündige Menschen in einem Alter, in dem sie am stärksten Wissen durch Lehre, Ausbildung und frühe Arbeitserfahrung aufbauen, in einen Beruf, der sie vielleicht gar nicht interessiert. Diese Unterbrechung ihrer Ausbildung schränkt nicht nur ihre Freiheit ein, als mündige Erwachsene selbst über ihr Leben entscheiden zu können. Sie senkt außerdem die Motivation, sich danach weiterzubilden.

Eine Dienstpflicht bedeutet damit direkte und indirekte Kosten – vor allem für eben diese jungen Erwachsenen: Sie müssen zu niedrigen Gehältern arbeiten und gleichzeitig Verzögerungen und teilweise sogar verstärkte Hemmungen in ihrer Ausbildung hinnehmen. Das kann natürlich auch Einfluss auf ihre Entwicklung und Karriere haben.

Es braucht daher schon sehr gute Gründe, wenn der Staat direkt in die Lebensentscheidungen jedes Einzelnen eingreifen möchte. Die CDU liefert diese nicht. Ein besonderer Ausreißer: Mancher Befürworter sieht die Dienstpflicht als Lösungsansatz für den Pflegenotstand. Aber schlecht qualifizierte und bezahlte Arbeitskräfte fangen nicht die Arbeit von professionellen Pflegern auf. Im Gegenteil sind sie neben den einfachen Aufgaben, die sie erledigen können, teilweise sogar eine Mehrbelastung. Hier müssen wir andere, bessere Lösungen finden – die Dienstpflicht ist es nicht.

Wer sich sozial engagieren möchte, tut das freiwillig.

Schon heute gibt es mit Angeboten wie dem freiwilligen sozialen Jahr die Möglichkeit, die eigene Ausbildung zu unterbrechen bzw. bewusst zu ergänzen. Hier kann man sich staatlich gefördert engagieren – auch in Bereichen, in denen man sonst vielleicht nicht landen würde. Wer die Dienstpflicht nutzen will, um Integration oder soziales Engagement zu fördern, muss hier ansetzen. Man könnte diese Programme und ihre Anreize ausbauen und natürlich auch stärker darüber informieren. Auch – unabhängig von der Dienstpflicht – die allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in z.B. Pflegeberufen kann hier helfen. Denn die betreffen natürlich auch freiwillig Engagierte.

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