Gesundheitsminister Jens Spahn sorgt sich um die seelische Gesundheit von Schwangeren. Dabei geht es ihm aber nicht etwa darum, welche Auswirkungen eine ungewollte Schwangerschaft auf ihr Befinden hat. Auch treibt ihn nicht um, was es ausmacht, sich einer demütigenden Zwangsberatung unterziehen zu müssen, keinen Arzt zu finden, der den Abbruch vornimmt, sich Sorgen über die Zukunft mit einem unerwünschten Kind zu machen und moralisch verurteilt zu werden. Nein, ihm schwebt – natürlich – vor, dass der Schwangerschaftsabbruch gesundheitsschädlich sein müsste.
Mit dem wissenschaftlichen Kenntnisstand hat das nichts zu tun. Bisherige Studien haben gezeigt, dass es ein solches Post-Abortion-Syndrom nicht gibt und dass Frauen nach einer Abtreibung angeben, dass es für sie die richtige Entscheidung war und sie sie nicht bereuten. Eine Studie der American Public Health Association kam sogar zu dem umgekehrten Ergebnis, nämlich dass Frauen, denen eine Abtreibung verweigert wurde, häufiger finanzielle Probleme hatten, weil sie beispielsweise wegen des Kindes nicht mehr Vollzeit arbeiten konnten. Hinzu kommen die psychischen Probleme der unerwünschten Kinder.
Trotzdem sieht Spahn die fünf Millionen Euro, die er für eine Studie zu dieser angeblichen Krankheit ausgeben will, gut angelegt – weil er sich mit der Studienlage anscheinend entweder nicht beschäftigt hat oder meint, dass die Ergebnisse sich dieses Mal schon seinen Wünschen anpassen werden. Auf diese Weise will er seine paternalistische Haltung Frauen gegenüber rechtfertigen. Da seine Erwartung aber wohl nicht bestätigt wird, wird er hoffentlich mit verspäteter Einsicht zu dem Schluss kommen, dass das Geld zum Beispiel für Hebammen besser investiert wäre – statt es für ideologischen Bullshit zu verbrennen, der so vor allem als Propaganda von Abtreibungsgegnern verbreitet wird.

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